IT-Architektur im Wandel

Die IT-Abteilungen vollziehen einen Wandel. Unter dem Aspekt der digitalen Transformation wandeln sich die IT-Abteilungen und das eigentliche Business gleich mit. Während bislang die meisten Abteilungen mit Planungsansätzen zur Standardisierung

und Kostensenkung geführt worden sind, realisieren viele Unternehmen im Zuge des aktuellen Wandels, dass dieser Ansatz kaum fruchtbar war und Innovationen sowie kürzere Time-to-market Zeiten eher verhindert als ermöglicht.

Im Grunde hatten die IT-Abteilungen in den letzten Jahren eine ganz angenehme Rolle innerhalb der Organisation gefunden. Mit den beiden Rahmenbedingungen, dass zum einen die Personaldecke etwas dünn war und zum zweiten der Kostendruck permanent aufrecht erhalten wurde, konnte man sich arrangieren. Schließlich hatte man ausreichend Mitarbeiter mit den notwendigen Kompetenzen zur Aufrechterhaltung der kritischen Dienste, und irgendwie hat man es immer geschafft, die Landschaft am Leben zu halten. Für den Fall, dass wirklich mal exotische Systeme mit betreut werden sollten, sehr häufig zu beobachten im industriellen Umfeld, wurden direkt Managed Services des Herstellers mit eingekauft, um hier möglichst keine weiteren Tätigkeiten zu übernehmen, die aufgrund der Personaldecke kaum zu bewerkstelligen gewesen wären.

Zugegebenerweise ist diese Beschreibung an der ein oder anderen Stelle stilisierend und sicher nicht für jede IT zutreffend, dennoch ist diese Art gleichermaßen auch stereotypisch für die meisten IT-Ableitungen.

Was alle IT-Abteilungen mit dieser klassisch reaktiven Führungskultur gemeinsam haben, ist die Akzeptanz der aufwändigen Administration sowie lange und kaum prozessierte Deployment-Zyklen. Die eigentlichen Systeme lassen sich am besten anhand des Pet-and-Cattle-Schemas mit Katzen beschreiben.

Die eigentlichen Systeme haben einen sorgsam ausgesuchten Namen und werden von dem entsprechenden Mitarbeiter akribisch verwaltet. Sehr häufig fällt auf, dass der Personenkreis der Administratoren für dieses eine System sehr überschaubar ist und in vielen Fällen auch eine gewisse emotionale Bindung besteht. Der Administrationsalltag besteht aus vielen selbstverständlich manuell ausgeführten Aufgaben, die in aufwändiger Klein-Klein-Administration umgesetzt werden. Wenn dann doch mal ein unvorhergesehener Bug auftritt oder ein Sicherheitsupdate eingespielt werden muss, kann man häufig Aktionismus anstatt geplante Regelaufgaben beobachten. In diesen Momenten vergisst man einfach mal die 2317 Tage Uptime, die sonst ein Alleinstellungsmerkmal darstellen.

Im Zuge des digitalen Wandels gilt es, die IT-Abteilungen fit für die neuen Herausforderungen zu machen. 

Die ersten Veränderungen seitens der Unternehmensverantwortlichen unter dem Aspekt der digitalen Transformation basieren auf dem Stichwort der Agilität mit der Zielformulierung, dass die IT als Abteilung Teil des eigentlichen Geschäftsmodells werden soll, um in Zukunft auch weitere Mehrwerte erbringen zu können. Im Kern dieses Wandels wurden die meisten Anforderungen wie folgt formuliert:

* Kürzere Reaktionszeiten
* Wunsch nach mehr Flexibilität
* Gewährleistung der IT-Sicherheit
* Unterstützung der Business-Einheiten (Time-to-Market)
* Self-Service der Anwender

Diese Anforderungen wurden mit einer tiefgehenden Veränderung der IT-Infrastruktur umgesetzt. Oberstes Ziel war dabei die Reproduzierbarkeit der Systeme anstatt aufwändige und intensive Wartungs- und Support-Tätigkeiten. Die Transformation der Landschaft weg von Katzen-Systemen hin zu Kühen wurde mit Einführung einer einheitlichen und standardisierten virtualisierten Infrastruktur erreicht. Wer an dieser Stelle bereits eine Strategie erarbeitet hatte, wie Nutz- von Betriebs-Daten-Trennung im Sinne eines Unified-Computing-Konzepts, hatte sehr schnell die Vorteile von einer automatisierten Umsetzung von wiederkehrenden Regelaufgaben erkannt. Weiterhin sollte sich die abstrahierte Sicht auf die Systeme und Dienste für die nächste Iteration innerhalb des digitalen Wandels enorm bemerkbar machen.

Viele IT-Abteilungen haben in dieser Automatisierungswelle gelernt, dass sich nicht jeder Prozess und jede Aufgabe für eine Automatisierung eignet. Das Ziel, dass eine automatisierte Bearbeitung einer Aufgabe freie Ressourcen schafft, wurde häufig aufgrund von zu speziellen Systemen verfehlt. Diese Entwicklung führte dazu, dass fast zwanghaft versucht wurde, diese Aufgabe zu automatisieren, um dann zu spät zu realisieren, dass während dieser Phase die Zeit für die eigentliche Arbeit fehlte.Ein Ergebnis dieser Welle war häufig die eine oder andere übrig gebliebene Katze. Frustration oder Freude der entsprechenden Mitarbeiter inklusive.

Wer diesen Wandel allerdings mit einem pragmatischen Automatisierungsansatz umsetzen konnte, der fand auch meistens schnell die nächste Herausforderung seitens der Unternehmensverantwortlichen. Cross-Funktionale-Teams sollten mehr Ansätze für Kundennutzen finden und generieren. Effizienz und Produktivität wurden als neue Service-Level für die IT-Abteilungen formuliert, ganz unter dem Aspekt, den viele so genannte  IoT-Game-Changer umsetzen: „Je mehr Informationen ich über meinen Kunden habe, desto besser kann ich handeln“. Diese aktuell zu beobachtende Entwicklung führt dazu, dass weitere Anforderungen der IT-Abteilungen erfüllt werden müssen bzw. sich die folgenden Herausforderungen ergeben:

* IT-Infrastrukturen werden heterogener
* Skalierung und Performance
* Cloud-Umgebungen

Für diese Veränderung der IT-Infrastrukturen verwende ich gerne basierend auf dem Pet-and-Cattle Schema den Begriff eines Vogelschwarms. Dahingehend, dass ein Vogel Teil eines Vogelschwarms ist und ein Vogelschwarm aus mehreren Vögeln besteht. Für die eigentlichen Systeme innerhalb der IT-Infrastruktur bedeutet das konkret, dass die Dienste und Systeme separiert betrachtet und implementiert werden sollten. Das Ergebnis dieses Wandels sollten monolithische Systeme sein, die nur im gesamten betrachtet die entsprechende Funktionalität bereitstellen können.

Die technologische Antwort auf diese Herausforderung sind Container-basierende Systeme. Wer diesen Ansatz konsequent umsetzen möchte, begibt sich sicherlich auf den richtigen Weg, wenn er die passenden Probleme vorfindet und innerhalb der unterschiedlichen Technologien erkannt hat, welcher Ansatz und welche Werkzeuge für die Abteilung die vermutlich besten sind.

Denn die eigentlichen Anforderungen, die sich aus den o.g. Herausforderungen ergeben, sind mannigfaltig. So sollte z.B. bei Latenz-sensiblen Anforderungen und Anwendungen eine physikalische- oder Container-basierende Technologie betrachtet werden. Wobei hingegen ganz klassisch die Bereitstellung von Speicher-Kapazitäten eher mit einer Virtualisierung angegangen werden sollte. Altbekannte physikalische Infrastrukturen sollte man bei Lizenzthematiken berücksichtigen, da hier häufig, je nachdem was für eine Software eingesetzt werden soll, eine kostengünstigere Alternative auf klassischer Physik gefunden werden kann als in einer virtualisierten Infrastruktur. Besonders Acht geben sollte man bei automatisierten Umgebungen und Frameworks. Häufig steckt der Teufel im Detail, wenn diese Umgebungen mit Container-Infrastrukturen abgebildet werden. Gegebenenfalls kann es gewinnbringender sein, die entsprechende Technologie weiter einzusetzen, bevor ein gesamtes Refactoring der Umgebung angegangen wird.

Die digitale Transformation sorgt dafür, dass viele Paradigmen und Methoden der IT-Architektur und natürlich auch das IT-Service-Management grundlegend geändert werden. Sehr häufig durften wir beobachten, dass IT-Entscheider diesen Wandel mit einer unterschätzen Komplexität angehen, besonders bei gewachsenen Katzen-Infrastrukturen. Um die oben genannten Anforderungen zu erfüllen, zeigt sich, dass skalierbare und für sich alleinstehende Systeme nur mit einer abstrahierten Sicht auf die Infrastruktur und einer Separierung der Dienste erreicht werden kann. Wie ein Vogel in einem Vogelschwarm.