Hochverfügbarkeit

Enterprise-Dienste auf Linux-Servern sind längst Commodity, doch wie können diese auch bzgl. Service, Kontinuität und Skalierbarkeit gleichen Reifegrad erhalten?

Server auf Basis des Linux-Betriebssystems haben sich in der Vergangenheit als stabile und zuverlässige Grundlage für ein weites Spektrum von Diensten in Unternehmen bewiesen. Eine Vielzahl von Faktoren trägt zu dieser positiven Bilanz bei, so z.B. die breite Anwenderbasis oder die Qualitätssicherung der einzelnen Distributionen. Faktoren wie die allgemein geringere Bedrohung durch Schadsoftware und die hochgradige Anpassbarkeit von Linux-Systemen wirken dabei verstärkend. Dennoch ist speziell bei Unternehmen, deren IT-Umgebung rund um die Uhr verfügbar sein muss - und sei es auch nur für einzelne Dienste - ein einzelner stabiler Server nicht ausreichend. Selbst geplante Ausfallzeiten z.B. zur Hardware-Wartung oder Arbeiten am Strom-Netz würden mit nur einem Server unvermeidlich zu einem direkten Ausfall des Dienstes führen. Dies lässt sich jedoch vermeiden, wenn Dienste mittels Cluster-Technologie auf mehrere physikalische oder virtuelle Server verteilt werden. Für eine optimale Umsetzung einer Cluster-Architektur müssen sich IT-Verantwortliche mit dem Thema Hochverfügbarkeit beschäftigen.

Was versteht man nun unter Hochverfügbarkeit?

Hochverfügbarkeit beschreibt die Nutzung von Technologien, um Dienste oder ganze Systeme möglichst unterbrechungsfrei anbieten zu können. Extrem wichtig zu Beginn einer Konzeption im HA-Umfeld ist die Festlegung der zu erreichenden Service Level Agreements (SLAs). Diese werden meist in der Verfügbarkeit in Prozent pro Jahr ausgedrückt, wobei unterschiedliche Technologien automatisch zu einem maximal erreichbaren SLA führen. Mit Cluster-Systemen sind in der Regel SLAs bis 99,99% erreichbar, d.h. ca. 1 Stunde Ausfallzeit pro Jahr muss akzeptiert werden. Die in diesem Zusammenhang oft verwendete, umgangssprachliche Formulierung 'immer verfügbar' gewinnt dabei eine gänzlich neue Dimension und muss dabei sowohl organisatorisch als auch technologisch klar definiert werden. Kosten und Nutzen sollten dabei in einem der Situation angepassten Verhältnis stehen, da jede Erhöhung des gewünschten SLAs zu erhöhten Kosten führt. Maßnahmen zur Minimierung der kalkulierten Ausfallzeit lassen diese extrem steigen, z.B. bei einer gewünschten Erhöhung des SLAs von 99,99 % auf 99,999%. GONICUS hat im Umfeld von Linux-basierten Hochverfügbarkeitsclustern langjährige Erfahrung in umfangreichen Projekten sammeln können. Im nachfolgenden wollen wir 3 mögliche Technologien zur Umsetzung eines hochverfügbaren Linux-Systems vorstellen.

Linux-HA

Das Linux-HA Projekt kann auf eine langjährige Geschichte zurückblicken und ist mit der Hauptkomponente „Heartbeat“ der de-facto Standard für Open-Source-Cluster-Software im Linux-Umfeld. Mittels einer modularen Architektur können Clustersysteme mit linux-ha flexibel konzipiert und umgesetzt werden. Seit der Version 2 verfügt die frei verfügbare Software über eine vollständig überarbeitete Architektur und durch die erreichte Integration mit Pacemaker über einen mächtiges Tool zum Verwalten der Ressourcen.

RedHat Cluster

RedHat verfügt als Linux-Distributor über ein eigenständiges und selbst entwickeltes Produkt namens RedHat Cluster Suite. Seit Version 5 ist es Teil der RedHat Enterprise Advanced Plattform und kann hier ohne Mehrkosten eingesetzt werden. Ausgehend von einer dem Linux-HA-Projekt ähnlichen Architektur ist die Cluster Suite optimal in die Enterprise-Distribution integriert, verfügt über entsprechende Verwaltungstools und bietet out-of-the-box Unterstützung für das verteilte Dateisystem GFS.

Veritas Cluster

Der Veritas Cluster Server (mittlerweile durch die Übernahme im Portfolio von Symantec) ist eine kommerzielle Hochverfügbarkeitslösung, die auf nahezu allen Serverbetriebssystemen verfügbar ist. Die dadurch vorhandene Verbreitung im Rechenzentrums-Umfeld sowie die breite Unterstützung für viele Unternehmens-Software mit entsprechenden Agenten machen das Produkt zu einer weiteren sinnvollen Alternative für Linux-basierte Cluster.