Welch ein Thema. Wenn alle stichhaltigen Argumente oft genug diskutiert und bewertet wurden, ist es häufig schon fast so etwas wie eine Glaubensfrage. Und wer mich kennt, weiß, dass ich in diesem Umfeld bis zu diesem Jahr auch eine sehr eindeutige Meinung hatte:

Neben der rein (gefühlten) technischen Unabhängigkeit des Tischtelefons von den übrigen IT-Komponenten auf dem Schreibtisch war für mich auch die Haptik eines richtigen (nicht eben us-amerikanisch designten) Telefonapparats ein Killerargument dafür, dass diese Telefone nicht so schnell von unseren Schreibtischen verschwinden werden. Kein noch so toller Vortrag über die ungeahnten Möglichkeiten eine Softphones konnte mich von dieser Meinung abbringen.

Und jetzt? Seit Mitte Januar 2016 habe ich das Tischtelefon von meinem Arbeitsplatz verbannt. Stattdessen setze ich auf eine Kombination aus Softphone und Smartphone und bin nun auf diese Weise in die Unternehmenskommunikation eingebunden. "Wie kam es zu diesem Sinneswandel?" steht damit als Frage im Raum. Und genau das möchte ich kurz erklären. Für mich gab es einen eindeutigen Wendepunkt in meiner Einstellung zu diesem Thema. Und diesen Wendepunkt mache ich an einem Gespräch mit einem Kollegen fest, in dem wir uns darüber unterhalten haben, wie die Schüler- und Studentengeneration heute – im Zeitalter von Smartphone, Whatsapp und Facebook – eigentlich so kommuniziert. Die diesem Gespräch folgenden Beobachtungen im Bekannten- und Verwandtenkreis haben die Erkenntnisse aus dem Gespräch wieder und wieder bestätigt, so dass ich am Ende zu der Meinung gelangt bin, dass sich in den kommenden Jahren mit dem Nachwachsen neuer Generationen auch die Art der Geschäftskommunikation gravierend verändern wird.

Aber was ist denn so anders, und was hat das am Ende mit meinem Telefon auf dem Tisch zu tun?

Das Smartphone hat viel in der Kommunikation verändert. Es wird nur noch unter anderem wirklich zum klassischen Telefonieren genutzt. Viel mehr laufen an dieser Stelle Sprache, Chat, Bilder und andere Inhalte zusammen. Die Kontaktlisten, die schon lange keine reinen Telefonbücher mehr sind, erlauben dabei auch ganz unterschiedliche Kommunikationswege zu unterschiedlichen Kontakten, ohne dass für den Nutzer komplizierte Auswahlschritte erforderlich wären. Unterschiedliche Apps und Wege werden ganz intuitiv für den Benutzer zusammengeführt. Hier ist sozusagen die 'Unified Communication' Realität geworden, die wir am Arbeitsplatz doch schon so lange herbei reden.

An dieser Stelle ist aber damit auch definitiv die Grenze des klassischen Tischtelefons erreicht. Wenn ich also nicht das nächste 'Smartphone' zusätzlich auf den Tisch stellen möchte, liegt es eigentlich nur nah, sich neben dem Smartphone am Arbeitsplatz auf das Softphone zu konzentrieren. Auf dem Desktop am Rechner ist am ehesten die gleiche Zusammenführung von unterschiedlichen Kommunikationsmedien möglich. Die Integrationsmöglichkeiten mit eigenen und unternehmensweiten Applikationen ermöglichen die komfortable Unterstützung des Anwenders. Das gilt umso mehr, als dass sich im Geschäftsalltag die Kommunikation häufig ohnehin auf die Kernanwendung des Unternehmens stützt: die Telefonnummern kommen aus dem zentralen CRM-System, die Anrufe werden auch dort protokolliert, vor einer Rückfrage checke ich den Präsenzstatus des Kollegen (ist der nicht im Meeting?) u.s.w.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Kombination von Smart- und Softphone am Arbeitsplatz bestückt mit den passenden Apps als der Weg, der viele Vorteile vereint und die meisten Nachteile vermeidet – und man gewinnt deutlich mehr Platz auf dem Schreibtisch.

 

Soweit die Theorie – aber wie sehen die Erfahrungen aus?

Nach einem guten halben Jahr bin ich absolut positiv gestimmt. Keine Frage es gibt eine Menge von Punkten zu klären. Angefangen von der Gretchenfrage nach dem Headset – oder dem Telefonhörer am Softphone, über die Auswahl des geeigneten Softphones je nach Arbeitsplatz Betriebssystem(version). Und sicher muss man sich auch mit einer anderen Art der Bedienung vertraut machen und verfällt schnell wieder in alte Gewohnheiten, die dann aber gar nicht mehr funktionieren. Der Gewinn an Funktionalität und mehr noch an Flexibilität wiegt die Stolpersteine bei weitem auf.

Ich bin absolut zufrieden und würde mich am Arbeitsplatz jederzeit wieder für die Kombination Softphone und Smartphone entscheiden. Die vielen Detailfragen und auch verschiedenen Möglichkeiten – insbesondere auch an einem Linux-Desktop – werden wir in den kommenden Monaten immer einmal wieder an dieser Stelle aufgreifen und von unseren Erfahrungen berichten.

 

Fred - ein Anwender :)